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Livekritik zu "Ich werde nicht hassen" Hamburg / Hamburger Kammerspiele

Wer nicht an Katharsis auf dem Theater glaubt, hat „Ich werde nicht hassen“ von Izzeldin Abuelaish noch nicht gesehen: Im Rahmen der Privattheatertage zu Gast in den Hamburger Kammerspielen, beeindruckt diese Produktion des Theaterhauses Stuttgart mit der bewegenden Autobiographie des Arztes Izzeldin Abuelaish, der für die Versöhnung von Israelis und Palästinensern eintritt und der bei einem Angriff auf sein Haus drei Töchter verlor. In einer Bearbeitung für die Bühne von Silvia Armbruster und Ernst Konarek ist so aus dem Originaltext ein anderthalbstündigen Monolog mit Mohammad-Ali Behboudi in der Hauptrolle geworden. Regie führte Ernst Konarek.

 

Puristisch ist diese Inszenierung, sie kommt mit einem Minimum an Bühnenbild aus. Ein Redepult, eine Tafel im Hintergrund, ein in beigen Leinen eingeschlagenes Bündel, dessen Bedeutung sich zunächst nicht erschließt. Dr. Izzeldin Abuelaish (Mohammad-Ali Behboudi) betritt die Bühne, beginnt seinen Monolog. Er stellt sich vor als Gynäkologe, spezialisiert auf Fruchtbarkeit – als erster palästinensischer Arzt in Israel. Er geht nun chronologisch vor; die Geschichte beginnt in einem Flüchtlingslager in Palästina.

 

Das in Leinen geschlagene Bündel wird aufgefaltet – und enthüllt nun, im Fortschritt des Dialogs, seine Bedeutungen. Es enthält beinahe sämtliche Requisiten des Stücks: ein Kissen und einen Teddybär, einen Stuhl, einen Schal. Es ist ein symbolträchtigel Bündel, ein Bündel Erinnerungen; die Fläche des Leinentuchs zeigt die Grundfläche des Hauses im palästinensischen Flüchtlingscamp; Teddybär und Kissen sind Reminiszenzen der Kindheit; der Stuhl Erinnerung an den ersten Schulunterricht – schließlich der Schal: Erinnerung an die verstorbene Frau.

 

Abuelaishs Geschichte ist eine Bildungsgeschichte – genauer: eine Geschichte vom Einsatz von und Glaube an Bildung als Instrument der Befreiung. Es ist auch eine Geschichte von der Differenz zwischen Politik und Alltag, zwischen Mensch und Rolle. Abuelaish berichtet von den vielen schönen Begegnungen mit hilfsbereiten, offenen Israelis trotz aggressiver Politik des Staates Israel. Er berichtet auch von den menschlichen Seiten von Grenzsoldaten die sonst so ganz in ihrer Rolle verhaftet sind; er berichtet aber auch vom Gegenteil: wie ihn Grenzsoldaten böswillig von einem Ort zum anderen schickten und ihn nicht zu seiner sterbenden Frau ins Krankenhaus lassen wollten. Es ist ein Plädoyer für Menschlichkeit und gegen den Hass, ja Dr. Izzeldin Abuelaish ist gewissermaßen die Verkörperung dieses Plädoyers – und was könnte wohl besser die vom klassischen Drama intendierte Reinigung, die Katharsis, erzielen, als eine so edle Haltung, für die der (reale) Dr. Abuelaish einsteht…

 

Eine bewegende Geschichte also, eine wahre Geschichte auch, die hier wunderbar für die Bühne umgesetzt wurde. Das so minimalistische wie symbolträchtige Bühnenbild, die Absetzung von Erinnerungssequenzen, traurig oder schön, durch Musik und Licht – all dies macht diese Inszenierung so vollkommen. Ohne Zweifel ist aber die größte Leistung die des Schauspielers: so präsent sieht man selten Schauspieler auf deutschen Bühnen. Und das kam auch beim Publikum an: Minutenlangen Applaus und Standing Ovations gab für Mohammad-Ali Behboudi am 18. Juni in den Kammerspielen – absolut verdient.

 

Wer irgendwie die Chance hat „Ich werde nicht hassen“ zu sehen, sollte es sich nicht entgehen lassen. Bleibt zu hoffen und zu wünschen, dass auch der diesjährige Publikumspreis der Privattheatertage an diese wunderbare Inszenierung aus Stuttgart geht!

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Bewegende Geschichte, großartiger Schauspieler - auf keinen Fall versäumen!

 

 

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